man kann nicht oft genug kontrollieren….

Der Herzkönig hat neben den herzköniglichen Verpflichtungen auch noch kleinere Hobbys. In einem beschäftigt er sich mit dem „wissenschaftlichen Arbeiten.“ Seinen Studierenden predigt er immer wieder, die Quellen kritisch zu betrachten, Dinge mehrfach zu überprüfen bzw. überprüfen zu lassen…

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Das Wochenende und die damit verbundene Zeitungslektüre hat ihm da wieder einmal ein Gustostückerl in die Hände gespielt, das er natürlich umgehend in seinen Foliensatz einbauen wird.

Und nur sicherheitshalber (oder als kleine Hilfe, wer den Fehler nicht gleich findet): wir befinden uns nicht im September 1939, sondern im November 2018.

Kemptner Skurilitäten…

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Neben der Schönheit der Region gab es bei unserem Aufenthalt auch allerlei zu entdecken, das zum Staunen oder Schmunzeln anregte.

Bei der Kinderstadtführung in Kempten wurde  die unterirdische Erasmuskapelle besucht, die erst vor wenigen Jahren entdeckt wurde. Der darin gezeigte Film konnte nicht nur den Raum gekonnt in Szene setzen, sondern auch ein Gefühl für die Entstehung der Stadt geben. In der gleich daneben liegenden St. Mang-Kirche wurden wir auf eine Besonderheit aufmerksam gemacht, nämlich, dass man in den Kirchenbänken die Blick- und Sitzrichtung wechseln konnte. Wenn der Pfarrer im Mittelteil auf der Kanzel predigte, so konnten die vorderen Reihen ihre Bänke „umdrehen“ – die Rückenlehen waren verstellbar – und sich somit auch nach hinten wenden.  Warum aus dem Hl. Magnus ein „Mang“ wurde blieb mir allerdings schleierhaft.

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Am Weg zur Kirche fanden wir gleich einige interessante Geschäfte. So gibt’s ein Kaffeehaus, das Kaffee, Schokolade und Wein kombiniert…

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Dann kann man in besonders lustigen Zimmern übernachten:20180819_121348188_iOS

Überhaupt versprüht die Kleinstadt internationales Flair!

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In den Gassen finden sich zahlreiche esoterische Geschäfte und auch die Finanzplaner planen und beraten ganzheitlich. 20180819_121601913_iOS

Warum nur am Männer-WC nicht geraucht werden darf, bringt vermutlich sogar einen Nichtraucher in Versuchung, unter dem Vorwand, ein dringendes Rauchbedürfnis zu haben, das Damen-WC aufzusuchen.

Und dass das dortige „unser Bier“ offensichtlich von Kindern für Kinder gemacht wird, erfreut und erstaunt zugleich.

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Kunst oder Krempel

Die gleichnamige Fernsehserie muss als Titel für den folgenden Beitrag genannt werden. Dem Herzkönig fiel auf dem alltäglichen Weg, den er mit dem kleinen Prinzen in Richtung Kindergarten bestreitet, einmal gar nichts auf. Erst als die Herzkönigin ihn darauf aufmerksam machte, dass in einem schon lange Jahre leer stehenden Gebäude (dem ehemaligen Haus der Barmherzigkeit) vermutlich moderne Kunst installiert worden sei, begab sich der Herzkönig mit richtig eingestellter Brille dorthin.

Und siehe da, es dürfte sich nach erster Einschätzung des Herzkönigs tatsächlich um Kunst im öffentlichen Raum handeln. SONY DSC

Ob in den Schuhen noch der Künstler persönlich gestanden ist, entzieht sich jedoch leider seiner Kenntnis. Auch die folgenden Installationen geben Rätsel auf…

SONY DSC… und bieten genügend Spielraum für kunsthistorische Interpretationen.

Der Herzkönig wird jedenfalls unverzüglich den hofeigenen kunsthistorischen Dienst hinzuziehen, da er hier laienhaft wie immer, Großes vermutet.

Ob hier tatsächlich ein Christo am Werk war, kann der Herzkönig daher nur vermuten.

Möglicherweise war es aber auch nicht Kunst, sondern einfach nur Pfusch am Bau. Aber das wird die kunsthistorische Expertise der hofeigenen kunsthistorischen Kommission zeigen. Mit ersten Ergebnissen der honorigen Herren wird frühestens Ende des Jahres gerechnet.

 

Ernennung zum Professor

Der Herzkönig freut sich bekannt geben zu dürfen, dass er vom Werkskundendienst seines Vertrauens, das die Ehre hatte, den Geschirrspüler zu reparieren, einen neuen Titel verliehen bekommen hat.

Der Reihe nach: Der Geschirrspüler machte eines Tages ein seltsames Geräusch und daraufhin knallte der Deckel ungebremst hinunter. Schienbein und Knie blieben unbeschadet, auch der kleine Prinz war in dem Moment weit weg. Aber über kurz oder lang musste die herunterfallende Tür repariert werden. Also Werkskundendienst, der mit der Reparatur etwa eine halbe Stunde benötigt hat. Als es ans zahlen ging, musste sich der Herzkönig ob des Betrages erst mal setzten. Als er dann aber durch die Rechnung Zeuge einer in dem Moment stattfindenden Titelverleihung wurde, konnte er nicht anders und musste ergriffen aufstehen und sich beim Werkskundendienst bedanken. Der Herzkönig ist nun nicht mehr bloß „zu allen Zeiten Mehrer des Reiches“, und Inhaber diverser Ehrenbekundungen, sondern nun auch Professor.

Die königliche Amtskanzlei wird sich in einem Schreiben beim Werkskundendienst bedanken und in zum k.k. Werkskundendienst ernennen. Für zukünftige Ehrenbezeugungen ist der Herzkönig natürlich offen. In seiner Sammlung würden noch ein paar „Räte“ fehlen, etwa Betriebs-, Regierungs-, Amts-, Hof- oder Bundesrat.

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Asphalt + Zaun = Pflanzenfläche?

Neulich drehte der Herzkönig eine Runde und musste plötzlich stehenbleiben, denn ein Zaun versperrte ihm den weiteren Weg. Als jemand, der nicht unweit des Eisernen Vorhangs aufgewachsen ist, hat es der Herzkönig nicht unbedingt mit Zäunen, aber die Message, die an diesem Zaun angebracht war, lies ihn dann schon schmunzeln. Und so nahm er den kleinen Umweg, auch ohne wie ein Rohrspatz zu schimpfen, in Kauf.

Fraglich bleibt, ob auf dieser Asphaltfläche doch tatsächlich noch irgendwann Grünzeug sprießen wird. Hier gilt es abzuwarten und dem Amtsschimmel zu vertrauen. Der Herzkönig wird sein Möglichstes versuchen, das Anwachsen des Rasens und der Staudenpflanzen dort tatkräftigst zu unterstützen – aber es wird schwer werden, selbst der Hund wollte beim Gassigehen mangels Grünflächen dort nicht düngen. Beim ersten Hinschauen hat der Herzkönig noch zierliche Pflanzensprösslinge ausgemacht, bei einer genaueren Betrachtung erwiesen sie sich als bloße „Tschickstummel“.

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Traumjob im Damenstift

Beim Durchstöbern der Tageszeitung fiel dem Herzkönig folgende Jobausschreibung in die Hände. Falls der eigene Brötchengeber hier mitliest, sei darauf hingewiesen, dass der Herzkönig nicht für sich selbst eine neue Herausforderung sucht, sondern natürlich für den kleinen Prinzen.

Der Herzkönig ist nämlich selbst der Meinung, dass es nie zu früh ist, mit einer geregelten Arbeit (auch für herzkönigliches Blut) zu beginnen. Der Herzkönig wuchs in der kapitalistisch-katholischen Arbeitswelt auf und verdiente sich seine ersten Millionen in der Volksschule als Ministrant. Das waren immerhin drei Schilling pro Sonntagsmesse. Hinzu kam noch ein entsprechendes Trinkgeld, wenn man noch für die eigene Verwandtschaft  die Zeitung aus dem Zeitungsständer holte. Begräbnisse, Taufen und Hochzeiten waren besser bezahlt und gekrönt wurde der Jahresverdienst beim österlichen Ratschen. Da der Herr Pfarrer sich darum nicht kümmern wollte, haben die örtlichen Ministranten das selbst erledigt, allerdings auch den gesamten Verdienst untereinander aufgeteilt. Bausparverträge konnten eingezahlt werden, Kredite konnten bedient werden, … das war ein Leben!

Aber zurück zum Thema, beim Durchsuchen der Stellenanzeigen fiel dem Herzkönig folgende auf. Im ersten Moment blieb er am Wort „Damenstift“ hängen und assoziierte diesen Begriff leider völlig falsch. Im Hinterkopf drängten sich leider Erinnerungen an die Comics von  Walter Moers. Da gibt es eine Szene, in der der Großvater ein Seniorenstift aufsucht.

Bei dieser Stellenanzeige einer herzoglichen Stiftung hat dann der Herzkönig doch etwas genauer geschaut, vielleicht wollte die Stiftung ihrem Herzkönig ja auch etwas vermachen. Und  bis auf einen Punkt passt diese Anzeige auf den Herzkönig wie die Faust aufs Auge. Er verfügt – zumindest gegenüber dem Parlament – über kein nennenswertes Einkommen. Sein Lebenswandel ist – mit Ausnahme der Zeit in der Hauptschule – untadelig. Und sein Bekenntnis zur römisch-katholischen Religion hat er als Ministrant zweifelsfrei unter Beweis gestellt. Allerdings unterstützt das hier genannte Damenstift nur Personen des weiblichen Geschlechts. Somit wird er dieser Stiftung den herzoglichen Titel sicherheitshalber bei nächster Gelegenheit entziehen.

In Bezug auf die Jobsuche wird sich der Herzkönig mit dem kleinen Prinzen einfach beim nächsten Inserat melden und Topmodel werden!

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Das Inserat habe ich als fürsorglicher Herzkönig gleich auch meiner Herzkönigin weitergeleitet, allerdings wohlwissend, dass es mit den gestellten Anforderungen schlecht bestellt ist. Sie hat aber ja irgendetwas mit „Theater“ studiert, vielleicht kann sie bei einer Bewerbung ihr schauspielerisches Talent unter Beweis zu stellen.