Neue Ausgabe der Zeitschrift „Das Waldviertel“ mit einem Leitartikel über Steinkreuze

„Schweden-, Hussiten-, Franzosen-, Sühne-, Lichter- und Pestkreuze“: dahinter verbergen sich Bezeichnungen für Kreuze aus Granit oder Sandstein, die Fritz F. Steininger, Peter Ableidinger und Reinhard Roetzel für das Waldviertel zusammengetragen und in der Ausgabe 3/2021 der Zeitschrift „Das Waldviertel“ beschrieben haben. Als Steinkreuze versteht man jene Kreuze, die aus einem einzigen Gesteinsblock gehauen wurden. Die Autoren deuten diese massiven, isoliert im Gelände stehenden Steinkreuze des Waldviertels als abgekommene Kirchengiebelkreuze. Allerdings erschwert das Fehlen schriftlicher Quellen über Zweck und Herkunft der Steinkreuze die Interpretation und lässt Raum für Sagen und Märchen.
Schloss Mautern dominiert seit Jahrhunderten die nördliche Ortseinfahrt nahe der Straßenbrücke Stein-Mautern. Die sich darin befindliche Kapelle schlummerte lange Zeit in einem „Dornröschenschlaft“. Im Zuge von Arbeiten im 19. Jahrhundert wurde der imposante, etwa 8,2 Meter hohe frühbarocke Altar abgebaut und eingelagert. Immer wieder wurden Revitalisierungsversuche gestartet, doch erst jetzt gelang eine Sicherung des wertvollen Kulturgutes. Über diese Heimkehr des „Mauterner Altars“ berichtet Karl Reder.
Wer war Franz Anton Leopold Rincolini (1682 bis 1738)? Diese Frage stellte sich Rudolf Malli und beleuchtet in seinem Artikel zahlreiche Aspekte zur Herkunft und zum Werdegang des Kaplans und Vikars in Eggenburg sowie des späteren Pfarrherrn zu Kühnring. Rincolini konnte in Eggenburg eigene Aufführungen der bislang üblichen Passionsspiele in den Jahren 1709 bis 1725 etablieren. Diese hatten zwar nur selten das Passionsgeschehen zum Inhalt, sondern allgemeine Themen aus der Kirchen- und Heilsgeschichte. Zwei Wochen vor der Aufführung wurde eine Bühne aufgebaut und die Generalprobe erfolgte am Gründonnerstag. Am darauffolgenden Tag wurde die „Charfreytags Tragoedi“ präsentiert.
Ein Heft der Zeitschrift „Das Waldviertel“ kostet 8 Euro. Ein Bezug ist über die Website www.daswaldviertel.at möglich.

Heft 2/2021 der Zeitschrift „Das Waldviertel“ erschienen!

„Johann Zelebor ist wahrscheinlich nur wenigen bekannt“, so beginnt der Autor Gerhard Dafert seinen Aufsatz. Johann Evangelist Zelebor wurde am 5. Februar 1815 in Eggenburg im Haus Nr. 157 geboren. Im selben Haus wurde 33 Jahre später übrigens Johann Krahuletz geboren. Doch zurück zu Zelebor: er stammte aus einfachen Verhältnissen, eignete sich autodidaktisch naturkundliches Wissen an und betrieb in seinem zoologischen Wissenschaftsgebieten Pionierforschung. Er war schließlich einer von wenigen handverlesenen Naturforschern, die an der Novara-Expedition, einer Weltumseglung der österreichischen Marine in den Jahren von 1857 bis 1859, teilnehmen konnte.

Redaktionsleiter Markus Holzweber übergibt Gerhard Dafert das druckfrische Exemplar im Rahmen einer Präsentation im Krahuletz-Museum Eggenburg. Foto: Eduard Reininger/NÖN

Herbert Neidhart stellt die Wandmalereien in der Kirche St. Anna im Felde – die afu einer vom Weitenbach umflossenen Anhöhe etwas außerhalb von Pöggstall steht – dar: darunter den Zug der Heiligen Drei Könige, die Passion Christi oder Christus am Ölberg.

Mit den Wasenmeistern und ihren Häusern beschäftigten sich Erich Broidl und Hermine Ploiner. Die Wasenmeister (auch Abdecker oder Schinder) gehörten wie die Fahrenden und Spielleute, Bader, Müller, Leinenweber, Schäfer, Scharfrichter und Schergen zu der Kategorie der unehrlichen Leute, die durch ihr anrüchiges Gewerbe der Standesehre für ihre Person verlustig gegangen waren. Die Aufgabe der Wasenmeister war es, gefallenes Vieh abzuholen, abzuhäuten und in geeigneter Form zu vertilgen, das heißt in der Regel zu vergraben. Die Wasenmeistereien waren noch bis in die 1950er Jahre tätig, ab 1952 wurden keine neuen Gewerbe mehr zugelassen und die Abholung von Kadavern erfolgte durch Tierkörperverwertungsbetriebe.

Walpurga Oppeker widmet sich einem der interessantesten Flurdenkmäler Niederöstereichs. Die sogenannte „Schaidungssäul“ – eine ehemalige Grenzmarkierung – steht seit 360 Jahren im nordwestlichen Waldviertel, dort, wo die Länder Niederösterreich, Oberösterreich und Böhmen zusammenstoßen. Joachim, damals noch Freiherr von Windhag, ließ sie 1661 dort aufstellen.

Hermann Maurer beschäftigt sich mit dem Schwedenkreuz von Reinprechtspölla. Das an der Straße von Reinprechtspölla nach Mörtersdorf stehende Steinkreuz erlangte durch die mündliche Überlieferung des Volksschullehrers und Heimatforschers Karl Süß einen großen Bekanntheitsgrad.  

Waldviertler Kulturberichte, ein Leserservice und die Mitteilungen des WHB ergänzen das 112 Seiten starke Heft (2/2021).

Ein Heft der Zeitschrift „Das Waldviertel“ kostet 8 Euro. Ein Bezug ist über die Website www.daswaldviertel.at möglich.

Heft 1 der Zeitschrift „Das Waldviertel“ mit Beiträgen zu Wirtschaft und Arbeit erschienen

Für das erste Heft der Zeitschrift „Das Waldviertel“ im Jahr 2021 finden sich Beiträge, die man unter dem Rahmenbegriff „Wirtschaft und Arbeit – damals und heute“ zusammenfassen kann.

Martin Heintel, Markus Speringer und Judith Schnelzer haben bereits im Heft 4/2020 einen ersten Beitrag zum Thema „Die demographischen Prozesse und Strukturen der Leaderregion Südliches Waldviertel-Nibelungengau“ beigetragen. Es folgt nun eine Analyse der Wirtschafts- und Arbeitsmarktsituation in der Leaderregion. Für die 33 Gemeinden wird die Anzahl, die Qualifikation und der Status der Erwerbsbevölkerung erhoben. In weiterer Folge werden Einblicke in das Pendelverhalten, die Betriebsstruktur sowie in das Einkommens- und Preisniveau gegeben.

Wirtschaftsbeziehungen sind von Verbindungen abhängig. Der Weitrarer Historiker Wolfgang Katzenschlager begibt sich daher auf die Suche nach einer alten Fernstraße nach Böhmen. Er weist nach, dass diese Straße erst im 20. Jahrhundert an Bedeutung verloren hatte und nur mehr als Verbindung einiger Dörfer in der Umgebung von Weitra dient.

Anton Distelberger beschäftigt sich mit dem Leben und dem Wirken der beiden Dorfschullehrer Ferdinand Chaloupek und Wilhelm Szabo. Chaloupek, der in Gmünd aufgewachsen ist, unterrichtete in mehreren Schulen in Niederösterreich und wurde 1950 zum Direktor an der Hauptschule in Krems berufen. Von 1959 bis 1966 gehörte er für die SPÖ dem Nationalrat an. Wilhelm Szabo wuchs in Lichtenau auf und kam im Jahr 1922 er nach Siebenlinden als Lehrer. In seinen Erinnerungen berichtete er über die tristen wirtschaftlichen Verhältnisse: Die örtlichen Wirte weigerten sich, den jungen Lehrer in Kost zu nehmen und schlugen vor, dass er sich bei den Bauern verköstigen möge: „Wie der Mann aus der Fabel, der sich durch einen Hirsebrei frißt, aß ich mich durch die vier Dutzend Gehöfte, in der Reihenfolge der Hausnummern und nach der Einkehr im letzten wieder von vorne beginnend.“ (S. 47)

Zu einer Dynastie von Glasmachern forscht Ondrej Šály. Auch sein Name steht in Bezug zu dem in der Topographia Windhagiana im Jahr 1656 erwähnten Namen „Schally“. Der Nachname kommt in den Archivalien in vielen Variationen vor: als Schalli, Scha̋lly, Schaly, Schali, Shälly, Schaily, Saly, Šály. Dadurch werden aber auch grenzübergreifende Verbindungslinien (von Österreich in die Slowakei) deutlich, die der Autor hier nachzeichnet.  

Mit einer weiteren Lehrerpersönlichkeit beschäftigt sich Renate Seebauer. Karl Süß war ab etwa 1891 Lehrer (später auch Direktor) in Reinprechtspölla und er war wohl der erste, der heimatkundliche Sagensammlungen aus dem Horner Raum publizierte.

Waldviertler Kulturberichte, ein Leserservice und die Mitteilungen des WHB ergänzen das 112 Seiten starke Heft (1/2021).

Ein Heft der Zeitschrift „Das Waldviertel“ kostet 8 Euro. Ein Bezug ist über die Website www.daswaldviertel.at möglich.

Vor 100 Jahren im Waldviertel

Das „9“er Jahr nähert sich dem Ende, es lag daher nahe, sich mit diesem Jubiläum in der Zeitschrift „Das Waldviertel“ zu beschäftigen. Am Beispiel von Waldviertler Pfarrchroniken zeige ich, dass sich diese auf zwei große Themenbereiche konzentriert haben. Einerseits wurde die wirtschaftliche Notlage erwähnt, die auch im Zusammenhang mit der kriegsbedingten „Verrohung“ und einem religiösen und moralischen „Verfall“ gesehen wurde. Auf der politischen Ebene sorgten die sozialdemokratischen Gewinne bei den Wahlen des Jahres 1919 für große Irritation unter den geistlichen Schreibern.

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Die übrigen Beiträge widmen sich etwa den Sgrafitti am Gebäude des Horner Bezirksgerichts, den Texten Josef Haslingers und Robert Menasses, Themen wie  „Flurgrenzen, Schluchtenreißen, Hetzjagd“, einer Menschendarstellung auf einer Schale der Stichbandkeramik vor und dem ersten Sparkassen-Museum, das sich in Groß-Siegharts befindet. Waldviertler Kulturberichte, Buchbesprechungen und Mitteilungen des WHB ergänzen das 88 Seiten starke Heft Nr. 4, das als letzte Ausgabe des Jahres 2019 erschienen ist. Der Jahrgang 2019 umfasste 412 Seiten. Ein Einzelheft der Zeitschrift „Das Waldviertel“ kostet 8 Euro, das Jahresabonnement (inkl. Porto & Verpackung) 27 Euro.

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Neuerscheinungen in der landeskundlichen Forschung in Niederösterreich

Das neue Jahrbuch des Vereins für Landeskunde von Niederösterreich (Bd. 84/2018) ist erschienen und mit 13 Beiträgen, 7 Forumsbeiträgen und 30 Buchbesprechungen auf insgesamt 532 Seiten überaus umfangreich ausgefallen.
Die Beiträge umfassen dabei ein breites Spektrum vom Mittelalter bis in die jüngste Vergangenheit. Weitere Infos auf der neuen Website.

Ebenso ist die neue Ausgabe der Zeitschrift Das Waldviertel (2/2019) erschienen. Mit der Baugeschichte der Pfarrkirche zum Heiligen Martin in Sallingstadt beschäftigen sich Oliver Fries und Ronald Kurt Salzer. Die Kirche ist eine der vielen Chor- bzw. Ostturmkirchen des nordwestlichen Waldviertels.

Mit „Ein Besuch in Großwolfgers“ betitelt Anton Distelberger seine biographischen Notizen über den Verleger Richard Pils. Mit seinem in Großwolfgers angesiedelten Verlag produziert er nicht nur Bücher, sondern bringt durch viele Veranstaltungen (z.B. auf der Burg Raabs) Autoren, Künstler und Leser zusammen. Übrigens: 2019 feiert der Verlag „Bibliothek der Provinz“ sein 30-jähriges Bestehen.

Hans J. Wulff begibt sich in die Wachau und widmet sich dem „Mariandl-Lied“. Er zeigt, wie ein Filmlied auch eine identitätsstiftende Funktion bekam. Eine Vielzahl an Filmen hat dazu beigetragen, die Wachau in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg als Urlaubs- und Freizeitregion zu bewerben.

Clemens Hopf verfasste seine 2017 an der Universität Wien abgegebene Masterarbeit über die Herren von Nürnberg-Raabs. Die Burggrafen von Nürnberg bzw. Edle von Raabs stellten die Forschung vor einige Schwierigkeiten, was Verwandtschafts- und Abstammungsverhältnisse betrifft. Mit Konrad II. erreichten die Nürnberg-Raabser in der Zeit ab 1160 einen Höhepunkt und mit seinem Tod in der Zeit nach 1190 auch das Ende.

2019 wird auch 100 Jahre Frauenwahlreicht in Österreich gefeiert. Erich Rabl widmet sich dem Thema in Bezug auf die Stadt Horn und zeigt, dass mit Maria Kohut erst 1929 die erste Frau in den Horner Gemeinderat eingezogen ist.

Informationen: www.daswaldviertel.at

Neue Ausgabe der Zeitschrift „Das Waldviertel“ erschienen

Das erste Heft des Jahres 2019 verfolgt einen zeitgeschichtlichen Ansatz und zeigt, dass auch noch fast 75 Jahre nach dem Ende der nationalsozialistischen Ära viele Aspekte noch im Verborgenen blieben.

Martin Prinz geht in seinem umfangreichen Beitrag auf eine biographische Spurensuche in Weitra. Belegt durch ein intensives Quellenstudium rekonstruiert er die Aktivitäten von Helene Anna Lisa Naber(-Binder). Anfang der 1930er Jahre ging sie in München zur Schule und betätigte sich für den BDM Obergau Ostland. Im Alter von 19 Jahren kam sie als illegale Untergauführerin von Niederösterreich zurück nach Österreich. 1940 heiratete sie den Gauamtsleiter von Niederdonau Roman Jäger, der 1944 einrücken musste und im Kriegseinsatz verstarb. Im März 1945 flüchtete Helene Jäger mit ihren zwei kleinen Kindern vor den herannahenden sowjetischen Truppen nach Gosau ins Salzkammergut. In der Folge wurden Ermittlungen nach dem Verbotsgesetz eingeleitet. Das Strafverfahren zog sich in die Länge und das Amnestiegesetz 1950 hatte zur Folge, dass Helene Jägers Verfahren 1951 eingestellt wurde. 1957 begann sie im Salzkammergut mit dem Korbflechten, in den 1960er Jahren kam sie nach Weitra und begann auch hier mit der Korberzeugung. Zeitweise waren in den 1960er und 1970er Jahren mehrere hundert Menschen für Helene Jäger tätig. Über ihre Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus schwieg sie.

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Friedrich Polleroß gibt in seinem Beitrag über die jüdischen Familien im Waldviertel und ihr Schicksal einen Rück- und Ausblick über die bislang gesetzten Aktivitäten. Im Ersten österreichischen Museum für Alltagsgeschichte in Neupölla wurde 2018 eine Sonderausstellung zu diesem Thema eröffnet. Als Begleitpublikation erschien ein 700 Seiten zählendes Buch, das im jüdischen Museum Wien, in Gmünd, Ludweis, Heidenreichstein, Eggenburg und Langenlois präsentiert werden konnte. Die Besucher all dieser Veranstaltungen konnten weitere wertvolle Hinweise zu jüdischen Familien im Waldviertel geben, die der Autor zusammenfassend wiedergibt. Übrigens, das Buch von Friedrich Polleroß erscheint nunmehr schon in der dritten Auflage!

Aus Anlass der 850. Wiederkehr der ersten urkundlichen Erwähnung von Mahrersdorf – heute eine der Katastralgemeinden von Altenburg – widmet sich Renate Seebauer der Geschichte dieser Ortschaft. Sie zeigt, dass die kleine Ortschaft – die 1830 133 Ortsbewohner zählte – urkundlich gut belegt ist, was wohl mit der Nähe zu Altenburg zu begründen ist. Seebauer skizziert auch die 100 Jahre andauernden Bemühungen um eine Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz, die bis dato nicht verwirklicht werden konnte. Die nächste Bushaltestelle befindet sich in ca. zwei Kilometer Entfernung.

Waldviertler Kulturberichte ergänzen das 120 Seiten starke Heft (1/2019).

Website: www.daswaldviertel.at

Zur OTS-Presseaussendung der NÖ-Landesregierung

…geschafft!

Und noch schnell im „alten“ Jahr: mit dem vierten Heft der Zeitschrift „Das Waldviertel“ konnte der Jahrgang 2018 abgeschlossen werden. Dieser umfasst 600 Seiten mit Regionalkunde aus allen Teilen des Waldviertels. Meine Highlights: „Telefonieren in Waidhofen“, „Das Waldviertel – eine ewige Abwanderungsregion?“, „Geschichte des Kinos in Eggenburg“, „Kollmitzgraben und seine Findelkinder“ sowie „Waidhofen an der Thaya – eine Braustadt?“

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Weitere Infos. http://www.daswaldviertel.at/zeitschrift.htm