Neuerscheinungen in der landeskundlichen Forschung in Niederösterreich

Das neue Jahrbuch des Vereins für Landeskunde von Niederösterreich (Bd. 84/2018) ist erschienen und mit 13 Beiträgen, 7 Forumsbeiträgen und 30 Buchbesprechungen auf insgesamt 532 Seiten überaus umfangreich ausgefallen.
Die Beiträge umfassen dabei ein breites Spektrum vom Mittelalter bis in die jüngste Vergangenheit. Weitere Infos auf der neuen Website.

Ebenso ist die neue Ausgabe der Zeitschrift Das Waldviertel (2/2019) erschienen. Mit der Baugeschichte der Pfarrkirche zum Heiligen Martin in Sallingstadt beschäftigen sich Oliver Fries und Ronald Kurt Salzer. Die Kirche ist eine der vielen Chor- bzw. Ostturmkirchen des nordwestlichen Waldviertels.

Mit „Ein Besuch in Großwolfgers“ betitelt Anton Distelberger seine biographischen Notizen über den Verleger Richard Pils. Mit seinem in Großwolfgers angesiedelten Verlag produziert er nicht nur Bücher, sondern bringt durch viele Veranstaltungen (z.B. auf der Burg Raabs) Autoren, Künstler und Leser zusammen. Übrigens: 2019 feiert der Verlag „Bibliothek der Provinz“ sein 30-jähriges Bestehen.

Hans J. Wulff begibt sich in die Wachau und widmet sich dem „Mariandl-Lied“. Er zeigt, wie ein Filmlied auch eine identitätsstiftende Funktion bekam. Eine Vielzahl an Filmen hat dazu beigetragen, die Wachau in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg als Urlaubs- und Freizeitregion zu bewerben.

Clemens Hopf verfasste seine 2017 an der Universität Wien abgegebene Masterarbeit über die Herren von Nürnberg-Raabs. Die Burggrafen von Nürnberg bzw. Edle von Raabs stellten die Forschung vor einige Schwierigkeiten, was Verwandtschafts- und Abstammungsverhältnisse betrifft. Mit Konrad II. erreichten die Nürnberg-Raabser in der Zeit ab 1160 einen Höhepunkt und mit seinem Tod in der Zeit nach 1190 auch das Ende.

2019 wird auch 100 Jahre Frauenwahlreicht in Österreich gefeiert. Erich Rabl widmet sich dem Thema in Bezug auf die Stadt Horn und zeigt, dass mit Maria Kohut erst 1929 die erste Frau in den Horner Gemeinderat eingezogen ist.

Informationen: www.daswaldviertel.at

Neue Ausgabe der Zeitschrift „Das Waldviertel“ erschienen

Das erste Heft des Jahres 2019 verfolgt einen zeitgeschichtlichen Ansatz und zeigt, dass auch noch fast 75 Jahre nach dem Ende der nationalsozialistischen Ära viele Aspekte noch im Verborgenen blieben.

Martin Prinz geht in seinem umfangreichen Beitrag auf eine biographische Spurensuche in Weitra. Belegt durch ein intensives Quellenstudium rekonstruiert er die Aktivitäten von Helene Anna Lisa Naber(-Binder). Anfang der 1930er Jahre ging sie in München zur Schule und betätigte sich für den BDM Obergau Ostland. Im Alter von 19 Jahren kam sie als illegale Untergauführerin von Niederösterreich zurück nach Österreich. 1940 heiratete sie den Gauamtsleiter von Niederdonau Roman Jäger, der 1944 einrücken musste und im Kriegseinsatz verstarb. Im März 1945 flüchtete Helene Jäger mit ihren zwei kleinen Kindern vor den herannahenden sowjetischen Truppen nach Gosau ins Salzkammergut. In der Folge wurden Ermittlungen nach dem Verbotsgesetz eingeleitet. Das Strafverfahren zog sich in die Länge und das Amnestiegesetz 1950 hatte zur Folge, dass Helene Jägers Verfahren 1951 eingestellt wurde. 1957 begann sie im Salzkammergut mit dem Korbflechten, in den 1960er Jahren kam sie nach Weitra und begann auch hier mit der Korberzeugung. Zeitweise waren in den 1960er und 1970er Jahren mehrere hundert Menschen für Helene Jäger tätig. Über ihre Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus schwieg sie.

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Friedrich Polleroß gibt in seinem Beitrag über die jüdischen Familien im Waldviertel und ihr Schicksal einen Rück- und Ausblick über die bislang gesetzten Aktivitäten. Im Ersten österreichischen Museum für Alltagsgeschichte in Neupölla wurde 2018 eine Sonderausstellung zu diesem Thema eröffnet. Als Begleitpublikation erschien ein 700 Seiten zählendes Buch, das im jüdischen Museum Wien, in Gmünd, Ludweis, Heidenreichstein, Eggenburg und Langenlois präsentiert werden konnte. Die Besucher all dieser Veranstaltungen konnten weitere wertvolle Hinweise zu jüdischen Familien im Waldviertel geben, die der Autor zusammenfassend wiedergibt. Übrigens, das Buch von Friedrich Polleroß erscheint nunmehr schon in der dritten Auflage!

Aus Anlass der 850. Wiederkehr der ersten urkundlichen Erwähnung von Mahrersdorf – heute eine der Katastralgemeinden von Altenburg – widmet sich Renate Seebauer der Geschichte dieser Ortschaft. Sie zeigt, dass die kleine Ortschaft – die 1830 133 Ortsbewohner zählte – urkundlich gut belegt ist, was wohl mit der Nähe zu Altenburg zu begründen ist. Seebauer skizziert auch die 100 Jahre andauernden Bemühungen um eine Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz, die bis dato nicht verwirklicht werden konnte. Die nächste Bushaltestelle befindet sich in ca. zwei Kilometer Entfernung.

Waldviertler Kulturberichte ergänzen das 120 Seiten starke Heft (1/2019).

Website: www.daswaldviertel.at

Zur OTS-Presseaussendung der NÖ-Landesregierung

…geschafft!

Und noch schnell im „alten“ Jahr: mit dem vierten Heft der Zeitschrift „Das Waldviertel“ konnte der Jahrgang 2018 abgeschlossen werden. Dieser umfasst 600 Seiten mit Regionalkunde aus allen Teilen des Waldviertels. Meine Highlights: „Telefonieren in Waidhofen“, „Das Waldviertel – eine ewige Abwanderungsregion?“, „Geschichte des Kinos in Eggenburg“, „Kollmitzgraben und seine Findelkinder“ sowie „Waidhofen an der Thaya – eine Braustadt?“

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Weitere Infos. http://www.daswaldviertel.at/zeitschrift.htm