ULP – eine Hommage an Herbert Hufnagl

In meiner Jugend stellte die Kolumne von Herbert Hufnagls einen Höhepunkt beim Lesen der Tageszeitung „Kurier“ dar. Sehr gerne setzte er sich mit seiner Wortschöpfung „ULP“ – steht für „Unsere liebe Post“ – auseinander. Er brachte in seiner Kolumne derart viele eigentümliche Beispiele mit Bezug zu „Unserer lieben Post“, dass ihm einmal von einem Postgewerkschafter empfohlen wurde, sich wegen „Postsyndroms“ in ärztliche Behandlung zu begeben (Kurier vom 25. Juni 2001, S. 9) Nun, die Kolumne gibt es nicht mehr und Herr Hufnagl starb 2015. Aber ULP gibt es immer noch und damit reichlich Stoff für amüsante Schilderungen.

Einige Episoden hat der Herzkönig hier zusammengetragen.

Für Irritationen sorgte eine sündteure EMS-Zustellung, die im März 2021 durchgeführt hätte werden sollen. Für knappe 10 Euro sollte die Sendung bis spätestens 13 Uhr am nächsten Werktag beim Empfänger eintreffen. ULP brauchte einen Tag länger. Doch anstatt Geld zurück für das Nichteinhalten der Leistung antwortete das Kundenservice lapidar: „Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass aufgrund der aktuellen Situation eine doppelte Laufzeit für Post-Express-Sendungen gilt.“ Diese Formulierung hat sich der Herzkönig gut eingeprägt und gleich am nächsten Tag selbst gebraucht: „Aufgrund der aktuellen Situation gilt für das Geschirrspülerausräumen leider die doppelte Laufzeit.“ Die Reaktion der Herzkönigin darf hier nicht zitiert werden, da diese wohl zensuriert werden würde.

Auch bei einer weiteren teuren Paketaufgabe gab es Verzögerungen in der Zustellung. Diesmal nicht um einen lapidaren Tag, sondern gleich um mehr als ein Monat: Am 18. Dezember 2020 gab der Herzkönig ein Paket auf, das Stück zu 9,90 von Wien in Richtung Freienfeld in Südtirol/Italien. Nach etwas mehr als einem Monat erhielt er am 20. Jänner 2021 vom Empfänger die freudige Nachricht: „Das Paket ist endlich angekommen!“ Fast 34 Tage benötigte also ULP mit der Zustellung eines Pakets innerhalb der EU. Vermutlich wurde das Paket per pedes zugestellt. Aber auch da muss der Bote unterwegs einige Tage in einem Wirtshaus eingekehrt sein, denn wenn man 20 Kilometer als Tagesleistung für einen Fußmarsch annimmt, so ist die 500 Kilometer lange Strecke in 25 Tagen zu schaffen. Aber die Leistung von ULP soll man nicht schmälern, das Paket ist angekommen. Eine Rückfrage beim Kundendienst hatte zumindest wieder eine wunderschöne Formulierung zur Folge: „Auch in Zukunft sind wir gerne für Sie da und wünschen Ihnen einen angenehmen Mittwoch.“

Anders gestaltete es sich mit einer Zusendung, die der Herzkönig aus dem 17. Bezirk in den 1. Bezirk abgeschickt hat. Die Sendung war mit 4,30 wesentlich billiger, allerdings ist auch die Strecke vom 17. in den 1. Bezirk wesentlich kürzer als von Wien nach Südtirol. Allerdings, wieder verging ein Monat, aber diesmal bekam nicht der Empfänger das Paket zurück, sondern der Herzkönig als Absender hielt sein eigenes Paket wieder in Händen! Wie es dazu kam?

Der Sendungsverfolgung nach zu urteilen kam die Sendung nach der Aufgabe am 1. Juni am 2. Juni im 22. Bezirk an. Also Donaustadt und nicht Innere Stadt. Dort blieb diese bis zum 7. Juni liegen. Am 8. Juni wurde diese um 5 Uhr 17 erstmals kurz im 1. Bezirk als abholbereit angezeigt. Zwei Stunden später, um 7 Uhr 19, war die Sendung wieder im 22. Bezirk. Dort blieb diese dann bis zum 30. Juni, schaute wohl kurz noch irgendwo im 1. Bezirk vorbei und landete schließlich am 2. Juli – also einen Monat später – wieder wohlbehalten beim herzköniglichen Absender.

Der Herzkönig, der sich nach dem Verbleib der Sendung beim Kundendienst erkundigte, erhielt mehrere leider nichtssagende Antworten:

Zuerst wurde überhaupt die korrekte Adresse infrage gestellt und belehrend geantwortet: „An dieser Adresse ist jedoch die Boutique America latina […].“ Nun, an die Boutique ging das Paket mit Sicherheit nicht. Ein nochmaliges Nachhaken brachte einen kurzen Hoffnungsschimmer: „Wir leiten Ihre Anfrage an die zuständige Fachabteilung weiter […].“ Doch die zuständige Fachabteilung antwortete in besserwissenderem Tonfall: „eine korrekte Adressierung ist notwendig, damit die Zustellung erfolgreich durchgeführt werden kann.“ Der Herzkönig erspart sich den Hinweis, dass das Paket korrekt adressiert war und von der Post in den ersten Bezirk (und nicht in den 22. Bezirk) gebracht hätte werden sollen. Vielleicht sollte der Herzkönig in der nächsten Anfrage an das Kundenzentrum die Frage stellen, wie es dem Postboten gesundheitlich geht, der ein Monat verzweifelt versucht, im 22. Bezirk ein Paket für den 1. Bezirk zuzustellen.

Schon Herbert Hufnagl konstatierte – und schöner kann man es nicht ausformulieren – im Jahr 1994: „Durch kleinere Zufälle kommt immer wieder ans Licht, daß unsere liebe Post (ULP) in ihrem Bemühen um besseren Kundendienst unermüdlich ist. Ich sehe förmlich vor mir, wie die ULP-Postkundenbefriedigungskommission in regelmäßigen Abständen zusammentritt und überlegt. Kommt sie zu einem Ergebnis, wird dies mittels internen Erlasses an das Personal weitergegeben, und schon haben wir’s wieder schöner.“ (Kurier vom 2. September 1994, S. 9)

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